Bericht von der NaSPro Tagung am 07.11.2019

Liebe Vereinsmitglieder,

als Vertreter des BPE e.V. war ich als Stimmberechtigter Teilnehmer zur NaSPro Tagung entsandt worden. Hinter der Abkürzung verbirgt sich Das Nationale Suidzidpräventionsprogramm.

Ich hatte mich bereit erklärt dort den BPE zu vertreten, nicht nur weil ich selbst in Berlin ansässig bin, sondern weil ich Teil des Teams der Beratung „Mit Suizidalität leben: Suizidalität und Selbsthilfe“ bin, die jeden Freitag zwischen 21 und 24 Uhr und jeden Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr unter der Nummer 0234/ 7089 0510 telefonisch zum Thema berät.

Wir als Team des Projektes hatten uns vorab auf 5 sinnvolle Fragen geeinigt, die ich samt der Antworten, der NaSPro Vertreter*innen auf dem Podium, hier mit Euch teilen möchte:

1.Frage: Welche Personengruppen gelten dem NaSPro als „Betroffene“?

Antwort: Betroffene sind alle Menschen, die mit Suizid zu tun haben; Feuerwehrleute, Bahnfahrer, Therapeuten etc. . Alle sind betroffen, anders gesagt, die Gesellschaft ist von Suizid betroffen.

2.Frage: Wie viele (aktuell oder ehemals) suizidale Personen sind in der Allianz vertreten/heute anwesend?

Antwort: Es gibt Menschen mit überwundenen suizidalen Krisen, die sich in der Vergangenheit bei NaSPro eingebracht haben. Eine Zahl dazu gibt es nicht. Der Bundesverband Psychiatrie Erfahrener e.V. ist die einzige (von mehr als 90 teilnehmenden Organisationen) in dessen Reihen sich explizit Menschen mit gelebter Erfahrung im Umgang mit Suizid befinden.

3.Frage: Wie wird sichergestellt, dass die Interessen suizidaler Menschen im NaSPro angemessen vertreten sind?

Antwort: Gar nicht. Da Suizidprävention alle Betroffenen, also wie oben genannt auch Feuerwehrleute, Bahnfahrer und Therapeuten betrifft, richtet sich die Suizidprävention nach den Bedürfnissen aller Betroffenen, bei denen (aktuell und ehemals) suizidale Personen nicht gesondert betrachtet werden.

4.Frage: Welche aktiven Rollen sind im NaSPro für (aktuell und ehemals) suizidale Menschen und deren Verbände vorgesehen?

Antwort: Keine. Jedoch gibt es die Möglichkeit wie für alle anderen an den Arbeitsgruppen teilzunehmen. Ich wies darauf hin, dass es aus Sicht unseres Verbandes von großer Bedeutung ist keine „Scheinpartizipation“ einzugehen.

5.Frage: Wie viel Prozent der Jahresausgaben des NaSPro sind für betroffenen-kontrollierte Aktivitäten suizidaler Menschen vorgesehen?

(Anmerkung: Betroffen meint dieses mal wirklich die Menschen mit gelebter Erfahrung im Umgang mit Suizid )

Antwort: Auf diese Frage bekam ich von einem Vertreter der DGPPN den Hinweis, dass NaSPro keinerlei Selbsthilfe und therapeutische Behandlungsangebote anbietet. Als ich entgegnete, dass mir dies durchaus bewusst ist und an Hand von Beispielen (wie der betroffenenkontrollierten Forschung) klar machte, was ich meinte bekam ich vom Podium aus zwei etwas widersprüchliche Aussagen. Prof. Fiedler aus Hamburg sagte, dass betroffenenkontrollierte Projekte /Arbeitsgruppen keine Sonderrolle erhalten, da dies die Kommunikation auf Augenhöhe gefährden würde.

Der andere Sprecher auf dem Podium, Prof. Lindner sagte, dass neue Strukturen vielleicht geschaffen werden könnten; diese müssten zuerst vorgeschlagen und besprochen werden.

Klar wurde jedoch darauf hingewiesen, dass NaSPro sich aus ehrenamtlich Tätigen zusammensetzt und kein eigenes Budget hat. Für die Zukunft sei dies jedoch mit dem zuständigen Bundesministerium angedacht, ob sich dieses Vorhaben realisieren lässt war zum Zeitpunkt der Tagung noch nicht absehbar.

Abschließende Gedanken kurz gefasst:

Mein persönlicher Eindruck war, dass es bei Fragen zur Suizidprävention immer um die suizidalen Personen als Objekt ging.

Meiner Einschätzung nach gibt es innerhalb des NaSPro eine klare hierarchische Struktur den jeweiligen Professionen nach. Wir sind derzeit eine von neunzig teilnehmenden Institutionen!

In diesem Kräfteverhältnis sinnvoll unsere Zeit und Energie einzusetzen halte ich für nicht umsetzbar. Daher rate ich zum Austritt aus dem Bündnis und die Stärkung eigener Strukturen die Raum lässt für neue Ideen, Betroffenenkontrolle und die damit den Idealen des Bundesverbandes von Anfang an gerecht werden.

Bericht: Felix Henneberg

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